Autor: andreasnatsch

Ergebnisse aus dem Beteiligungsverfahren, die in den Wettbewerb Seeuferpark einfliessen sollten.

Mitglieder der Lobby für Uetikon haben sich aktiv und intensiv in den Beteiligungsprozess zur Chance Uetikon eingebracht. Im Rahmen dieses Verfahrens wurden wichtige Kernanliegen festgehalten, die aus unserer Sicht unbedingt in die Wettbewerbsausschreibung und in die Beurteilungskriterien für die Jury zum Seeuferpark fliessen sollen: erstens sollen die Zeitzeugen nur in Elementen und nur für sinnvolle Funktionen erhalten bleiben, zweitens soll ein wirklich grüner Park entstehen, drittens müssen Hitzeinseln vermieden werden und viertens keine betonierte „Billiglösung“ entstehen.

1. Zeitzeuge nur in Elementen erhalten und nur für sinnvolle Funktionen

Zentral für die Parkgestaltung wird der Umgang mit dem ‚Zeitzeugen’ sein. Der ‚Zeitzeuge’ ist ein eher unansehnliches Gebäude (Abb. 1), das den Blick auf den Düngerbau verhindert und den historisch freien Platz am See verstellt (Abb. 2). Wenn zu viel Bausubstanz erhalten wird, verstellt der Zeitzeuge die grösste Parkfläche vor dem Düngerbau und die Wohnqualität des Baufeldes A2 wird beeinträchtigt.

Abb. 1: Der Zeitzeuge: ein monotones Gebäude entlang des Sees: Er verstellt den Blick auf den Düngerbau sowie den Platz vor dem Düngerbau und entwertet Baufeld A2.
Abb. 2: Um 1865 war der Platz vor dem Düngerbau und der gesamte geplante Seeuferpark unverbaut.
Ein Park mit weitgehendem Rückbau ‚Zeitzeuge’ wird diese historische Situation weitgehend wiederherstellen.
Abb. 3: Visualisierung von Mettler2invest bei Bewerbung Kauf/ Baurechtsvertrag:
Ein öffentlich genutztes Parterre öffnet sich nach allen Seiten zum unverbauten Park am See.

Deshalb:

  • Elemente des ‚Zeitzeugen‘ sollen erhalten werden, um den Park zu bereichern (Schattige Ecken, ruhige Zonen, Matrix für dreidimensionale Bepflanzung…)
  • Wo die Gebäude keine Funktion haben, sollen sie nicht erhalten werden: Öffentliche Funktionen für den Zeitzeugen, die angedacht waren, sind im Konzept von mettler2invest zum grossen Teil im Parterre des Düngerbaus geplant. Deshalb ist der Zeitzeuge nur bedingt für öffentliche Nutzungen zu erhalten.

Die Visualisierung, mit der der Landverkauf an mettler2invest beworben wurde, zeigt einen Seepark vor dem Düngerbau, der weitgehend unverstellt ist (Abb. 3). Diese Vision soll weiterverfolgt werden – sie bringt den Düngerbau zurück an einen Platz am See, so wie er historisch gebaut wurde (Abb. 2), und macht ihn zum eigentlichen Zeitzeugen.

2. Ein grüner Park

Der Platz zwischen Düngerbau und Berufsschule wird zum urbanen Stadtplatz und Zentrum.

Dagegen soll der Seepark nicht einfach eine städtische Allee am See werden, sondern ein echter grüner Erholungsraum, der zum Verweilen einlädt. Dazu sind auf der ganzen Länge immer wieder Bäume und Wiesen nötig. Die Bäume können so gruppiert werden, dass sie Fenster zum See offenhalten und den Wohnungen in A1/B1 die Seesicht nur partiell beeinträchtigen. Dass Bäume zum Park gehören, hat auch mettler2invest an der öffentlichen Präsentation zum Kaufvertrag betont.

Zudem soll die nicht versiegelte, begrünte (oder zumindest als Ruderalfläche gestaltete) Oberfläche maximiert und die ökologische Vernetzung umgesetzt werden.

3. Hitzeinseln vermeiden

Der Umweltbericht des Kantons warnt eindringlich vor dem Potenzial einer Hitzeinsel. Werden keine Massnahmen getroffen, wird das Areal zu einer massiven Hitzeinsel (Abb. 4 – 6). Der Umweltbericht nennt explizit die nötigen Massnahmen. Diese sollten klar in die Wettbewerbsausschreibung und Beurteilung einfliessen.

Abb. 4: Wärmeinselkarte: Der Umweltbericht des Kantons warnt eindringlich vor dem Wärmeinseleffekt, der durch Bepflanzung und Fassadenbegrünung gemindert werden soll. Das wurde auch im Beteiligungsprozess immer wieder thematisiert, und die Situation wird sich mit der Klimaerwärmung zuspitzen.
Abb. 5: Bioklimatische Situation: Der Umweltbericht zeigt eindrücklich die Bedeutung der Bepflanzung: Das Ländeli in Meilen ist dunkelgrün (sehr hohe Bedeutung Bepflanzung) – während das Areal im jetzigen Zustand eine hohe Überwärmung aufweist.
Abb. 6: Wärmebelastung: Der Umweltbericht des Kantons zeigt die hohe Wärmebelastung.

4. Keine betonierte „Billiglösung“

Ein grüner Park ist teurer als eine versiegelte Allee. Doch Sparen am falschen Ort geht auf Kosten der nächsten Generationen. Jetzt ist der Zeitpunkt da, um eine zukunftsfähige, grüne Lösung zu realisieren, auch wenn – wo notwendig – der Untergrund teilweise saniert werden muss, um Bepflanzung zu ermöglichen. Die finanziellen Mittel sind vorhanden bzw. können aufgebracht werden: Die Gemeinde hat 34 Mio. aus dem Verkaufserlös für Park und Ufermauer-Sanierung eingeplant. Zudem wird der Bau des eigentlichen Seeuferwegs im Prinzip zu 80% aus dem Strassenfonds des Kantons mitfinanziert und der Anteil des Seeuferparks vor der Mittelschule wird vom Kanton bezahlt. Somit gibt es beträchtliche Rückstellungen, um den Park weitgehend zu finanzieren. Zudem wäre ein zusätzlicher Beitrag aus der Gemeindekasse (z.B. aus der finanzpolitischen Reserve) für dieses Jahrhundertprojekt vorstellbar und vermutlich mehrheitsfähig.

Dieser Text wurde parallel auch an die Jury Wettbewerb Seeuferpark, an den Gemeinderat und an den Kanton (Chance Uetikon) sowie an die Medien versandt.

Nein zur Einzonung im Grüt

An der Gemeindeversammlung vom 20. Juni 2022 die Zersiedelung der Gemeinde verhindern!

Der Gemeinderat schlägt eine Einzonung von Bauland im Weiler Grüt vor. Diese Einzonung mitten in einem Wachstumsboom der Gemeinde kommt zur falschen Zeit. Die Einzonung im landschaftlich sensiblen Gebiet im Weiler Grüt ist zudem am falschen Ort und sie nimmt die Ergebnisse der Zukunftskonferenz nicht ernst. Sie ist auch falsch begründet: Es gibt keine öffentlichen Interessen, die für diese Einzonung sprechen.

Der Weiler Grüt ist eine in sich geschlossene Weilersiedlung im Uetiker Rebland, ohne direkte Verbindung zum kompakten Siedlungsgebiet von Uetikon. An dieser landschaftlich empfindlichen Lage plant der Gemeinderat eine Einzonung für den Bau von Mehrfamilienhäusern. Das ist eindeutig der falsche Ort für ein Wachstum von Uetikon.

Diese Einzonung steht im Gegensatz zum Kulturlandschutz, verletzt das Prinzip der inneren Verdichtung und verkennt die Funktion einer Reservezone: Diese soll nur eingezont werden, wenn ein konkreter Bedarf und ein öffentliches Interesse bestehen. Ein öffentliches Interesse für diese Einzonung ist aber nicht auszumachen – somit gibt es keine Begründung für diese Vorhaben.

Dieser Vorschlag kommt zur falschen Zeit: Die Gemeinde wächst um ca. 800 – 1000 Einwohnern in den nächsten 7 Jahren (Siedlung Birchweid und Seeuferareal). Dieser Wachstumsboom muss nicht mit weiteren Einzonungen befeuert werden – die Gemeindeinfrastruktur muss zuerst dieses Wachstum verkraften, bevor über weitere Planungsschritte diskutiert wird. 

An der Zukunftskonferenz stellte der Gemeinderat die Frage, wieweit Reservezonen eingezont werden sollten. Eine grosse Mehrheit war gegen jede Einzonung von Reservezonen und das Grüt erhielt die unterste Priorität für eine mögliche Einzonung. Mit der Vorlage wird der Bürgerwillen und das Ergebnis der Zukunftskonferenz nicht ernst genommen. Planlose Einzonungen im jetzigen Moment verbauen zudem den Gestaltungsspielraum für zukünftige Generationen.

Der Gemeinderat argumentiert, es ginge um eine ‚Wiedergutmachung‘ für einen Landbesitzer, obwohl es dafür keinerlei vertragliche Grundlagen gibt. Diese Argumentation wird aber Begehrlichkeiten in ähnlichen Lagen wecken und die Zersiedlung weiter befeuern.

Beim qualitativ guten Projekt Birchweid mitten im Dorf und mit bester Anbindung an den öffentlichen Verkehr haben wir uns im Dialog mit der Eigentümerschaft für Verbesserungen eingesetzt und freuen uns, dass vielfältiger Wohnraum entsteht. Am See haben wir uns mit der Einzelinitiative erfolgreich für eine hohe Baudichte eingesetzt. Wenn aber alle Argumente gegen eine Einzonung sprechen, ist ein deutliches NEIN angebracht.

Bevölkerung sollte in der Wettbewerbskommission Seeuferpark vertreten sein

Jetzt geht es vorwärts mit den Projekten am Uetiker Seeufer. Kürzlich haben Gemeinde und Kanton in einer Ausschreibung eine Uetiker Landschaftsarchitekt*in gesucht, die als Jurymitglied Einsitz in die Wettbewerbskommisson nehmen soll. Die Lobby findet es wichtig, dass Fachkompetenz in dieser Kommission vertreten ist, ist aber auch der Meinung, dass die Uetiker Bevölkerung von unabhängigen Personen – am besten aus dem Kreis der Botschafter*innen – ihre Position einbringen können. Die Lobby hat diesen Wunsch mit dem folgenden Brief an die Gemeinde und den Kanton gerichtet.

Vertretung Bevölkerung in der Wettbewerbskommission Seeuferpark

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident, sehr geehrte GemeinderätInnen, sehr geehrte Verantwortliche ‚Projekt Chance Uetikon’ seitens Kanton,

Wir beziehen uns auf die Ausschreibung für die Wettbewerbskommission Seeuferpark. Als Vertretung der Bevölkerung wird eine Uetiker Person gesucht, die beruflich Landschaftsarchitekt*in ist, was den Kandidatenkreis massiv einschränkt. Wir sind überzeugt, dass es in der Tat korrekt ist, dass Fachkompetenz in der Kommission sitzt und die Projekte beurteilt, wobei es nicht einmal wesentlich ist, ob die Fachperson aus Uetikon ist – wichtiger ist wohl ihre Unabhängigkeit und dass sie nicht bereits andere Ämter im Dorf bekleidet.

Nebst der fachlichen Kompetenz ist aber eine angemessene Vertretung der Nutzungsinteressen entscheidend. Wie bereits kommuniziert, wird die Investorin Mettler2invest Einsitz in die Kommission erhalten. So weit, so gut. Aber auf der Seite der Nutzer*innen fehlt eine Vertretung der Uetiker Bevölkerung. Wir finden es zwingend, dass Personen aus dem Beteiligungsverfahren (idealerweise aus den Botschaftern, die sich vertieft mit der Materie auseinandergesetzt haben) in der Kommission Einsitz nehmen können – egal, ob mit oder ohne Stimmrecht bei der Prämierung der Projekte. 

Wie im Dokument zum GP Kanton (S. 25) klar festgehalten ist, hat der Park in seiner heutigen Form den Ursprung im Beteiligungsverfahren. Der Wettbewerb ist eine direkte Folge. Auch wurde immer wieder mündlich betont, dass eine angemessene Vertretung der Beteiligung bei der Parkgestaltung angedacht sei. Mit einer Vertretung der Beteiligung wird sichergestellt, dass die Anliegen aus dem Verfahren auch in die Wettbewerbsausschreibung aufgenommen werden. Wir möchten deshalb sowohl Gemeinde- als auch Kantonsverantwortliche auffordern, den Kandidatenkreis zu öffnen für eine zusätzliche Vertretung aus dem Beteiligungsverfahren. 

Zudem möchten wir anregen, dass alle Details zur Wettbewerbsausschreibung öffentlich sind, sodass für die Bevölkerung völlig transparent ist, welche Vorgaben in den Prozess einfliessen. Hier gilt es zu verhindern, dass wieder eine ähnliche Situation wie im Varianzverfahren entsteht. 

Mit freundlichen Grüssen

Für die Lobby für Uetikon

Die Lobby sagt ja zu Baurechtsvertrag und Landverkauf Variante A

Die Lobby für Uetikon begrüsst die Verträge zu Landverkauf und Baurechtsvertrag Düngerbau. Die Kultur- und Freizeitnutzung des Düngerbaus ist im Vertrag festgelegt: Das ist das wichtigste von der Lobby im Vorfeld geäusserte Anliegen, und es wurde von der Investorin und der Gemeinde verbindlich in den Vertrag geschrieben. Ebenfalls enthält der Vertrag keine Einschränkungen bezüglich Gestaltung des Seeuferparks.

Zudem konnte die Investorin ihre Begeisterung und ihren Willen für die Gestaltung eines lebendigen Quartiers und nicht nur eines Schlafquartiers für Superreiche überzeugend darstellen.

Bezüglich der Variantenwahl bevorzugt die Lobby Variante A. Es wäre ungewiss, ob die 20 Wohnungen, die bei Variante B indirekt mit 7 Mio. subventioniert würden, für durchschnittliche Familien bezahlbar wären. Die Lobby wird sich stattdessen dafür einsetzen, dass dieser zusätzliche Gewinn in der Zukunft im Dorf im Rahmen von günstigen Baurechtszinsen für den genossenschaftlichen Wohnungsbau investiert wird: Mit dem Attraktivitätssprung von Uetikon durch das See- und Bildungsquartier wird die Sicherstellung der sozialen Durchmischung im Dorf ein zentrales Thema werden.

Der Düngerbau mit freiem Park und Vorplatz in der Vision der Investoren (und der Lobby….), so erhält er wieder die Geltung…
… die er 1865 bereits hatte: Die Industriekathedrale mit freiem Blick auf den See.

Auch wenn dieser Verkauf auf breite Akzeptanz stösst, sollte das Timing der demokratischen Prozesse in Zukunft sorgfältiger durchgeführt werden. Publikation der Verträge in den Ferien und Versand der Abstimmungscouverts am Tag nach der Informationsveranstaltung sollten in der Zukunft ein No-go sein. In der Demokratie sollte bei jedem wichtigen Volksentscheid Opposition zeitlich prinzipiell möglich sein – sonst werden demokratische Entscheide zum simplen Kopfnicken.

Last but not least ist festzuhalten, dass die dunkelschwarze Null mit dem Verkaufsgewinn noch diverse Posten auf der Einnahmenseite enthält, die vom Gemeinderat nicht erwähnt wurden. Mit dem Verwaltungsbau am See und dem Speditionsgebäude enthält die Gemeinde zwei wertvolle Gewerbe- und Büroliegenschaften quasi gratis dazu, Kauf- und Gestaltung des Seeparks werden vollumfänglich bezahlt, und die Gemeinde wird viele gute Steuerzahler erhalten. Die finanzielle Situation ist somit massiv besser, als bei Projektbeginn angenommen und wir können uns auf die Gestaltung eines tollen Seeuferparks freuen.