Sollen Menschen mit Demenz hinter Gitter?

Die Frage, ob Menschen mit Demenz in einem Heim „hinter Gitter“ gehören, wurde in den letzten Wochen im Zusammenhang mit einem Umbau des Hauses Wäckerling heftig diskutiert. Dabei ist geplant, Gitter vor den Abteilungen für Menschen mit Demenz anzubringen. Inzwischen ist die Baubewilligung für das Projekt erteilt. Die Lobby hat sich dennoch entschieden, ihren Unwillen über die geplante Gitter vor einigen Fenstern mit einem Brief an die für das Haus zuständige Kurt di Gallo Holding AG zum Ausdruck zu bringen.

Wir veröffentlichen hier den Inhalt des Briefes im vollen Wortlaut.

Wir betrachten die Diskussion damit als abgeschlossen.

„Die Lobby für Uetikon ist eine Gruppe von engagierten UetikerInnen mit und ohne Parteibuch, die sich aktiv für ein lebens- und umweltfreundliches Uetikon einsetzen. Dazu gehört, dass sie den respektvollen Umgang miteinander und den Dialog unter den Generationen fördert. Aktiv mitgetragen wird die Lobby für Uetikon auch von den Dorfparteien CVP, EVP, Grüne und SP.

Siedlungsplanung und Bautätigkeit haben einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität aller Generationen. Darum stehen Bauvorhaben in der Gemeinde oft im Fokus unseres Interesses. Aktuell sind dies die Planungsarbeiten am See und – etwas weniger prominent und bekannt – die geplanten Änderungen und Ergänzungen an den Gittern der Balkone und Dachterrassen der Abteilungen für Menschen mit Demenz im Haus Wäckerling. 

An unserer Sitzung vom 10. Juni 2020 haben wir uns mit dem Projekt der oben genannten Gitter auseinandergesetzt. Das Vorhaben weckt in verschiedener Hinsicht erhebliche Zweifel, denen wir trotz bereits erteilter Baubewilligung Ausdruck geben wollen. 

Im Rahmen der kantonalen Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie NDS wurde neben anderen das Projekt ‚Demenzfreundliche Gemeinde‘ lanciert. Das Projekt fördert, wie die ganze NDS, die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Demenz. Die Gemeinde Uetikon hat diese Zielsetzung übernommen und bestätigt in ihrem Altersleitbild, dass Uetikon als demenzfreundliches Dorf wahrgenommen werden will. 

Wir sind der Meinung, dass die bestehenden und geplanten Gitter damit nicht vereinbar sind. Die Gitter vermitteln ein sehr traditionelles Bild der Demenz, das von Separation und Ausschluss geprägt ist. Sie widersprechen damit der Forderung nach Integration und stehen nicht im Einklang mit der Selbstdeklaration der Gemeinde. 

Uetikon möchte ein demenzfreundliches Dorf bleiben. Wir bitten Sie, uns darin zu unterstützen und das Gitterprojekt nochmals zu überprüfen. Bei dieser Überprüfung können Zielsetzungen und Erfahrungen aus der NDS sehr hilfreich sein.“

Mehr über die umstrittene Frage finden Sie auch hier bei alzheimer.ch von der auch das Beitragsbild stammt.

2 Kommentare

  1. Ich bin erleichtert, dass die Mehrheit der Anwesenden an der letzten Lobby-Sitzung vom 9. Juli beschlossen hat, die Angelegenheit nicht mehr weiter zu verfolgen. Es gibt noch viel zu tun auf dem Weg zu einem demenzfreundlichen Dorf. «Wichtig ist, dass man um dich herum freundlich redet. Dann geht vieles», sagt der an Demenz erkrankte Vater in Arno Geigers Buch ‘Der alte König im Exil’. Eine unendlich in die Länge gezogene Debatte, die sich um getroffene Mehrheitsentscheidungen und -abläufe foutiert, ermüdet und raubt Energie für das freundliche Gespräch.

    Brigitte Gloor, Präsidentin der Arbeitsguppe 60+ und Lobby Mitglied

  2. Danke Lobby, dass Ihr das Thema aufgenommen habt. Was in hunderten andern Institutionen (inkl. die Uetiker Heime) möglich ist, muss auch im Haus Wäckerling realisierbar sein: sichere, würdige, bfu-konforme Geländer, die leiten, statt angstmachende, ausgrenzende Gitter. Uetikon – ein demenzfreundliches Dorf.

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